Doch Dionysos ist nicht nur der Gott, der alle Unterscheide tilgt und damit klassische Hierarchien auf den Kopf stellt, sondern er ist auch ein Gott, der auf Rache sinnt und seine AnhÄnger im kollektiven Rausch zu instrumentalisieren sucht.
Inspiriert von Euripides' DIE BAKCHEN soll eben jenes Fest der berauschten Frauen im Mittelpunkt stehen, welches die Tragödie lediglich beschreibt und als fataler Höhepunkt in der Zerreißung des Pentheus gipfelt. In der DER RAUSCH DES DIONYSOS soll dieses Fest der Sinne erlebbar gemacht werden, wobei sowohl die Macht des Dionysos als auch die Frage diskutiert werden soll, ob ein solches Fest immer tödlich enden muss oder ob der Mensch sich befreien, ohne ein Opfer zu bringen.
Den Grundkonflikt zwischen kollektivem Rausch und individueller Freiheit haben Aninia Schwanhäußer und Eric Nikodym zum Anlass genommen, um nach den Möglichkeiten heutiger Grenzüberschreitungen zu fragen. Kann die in den Bacchanalien propagierte Freiheit unter Gleichen in diesem Rahmen verwirklicht werden oder ist der Taumel der Massen nur ein Trugbild, das Hierarchien festigt, anstatt sie aufzulösen? Kann es überhaupt so etwas wie individuelle Freiheit geben, wenn ich mich einem Gott unterwerfe? Gesucht wird ein Raum, an dem alltägliche Normierungen und Disziplinierungen keine Rolle spielen, an dem die Freiheit des Einzelnen in seinen Äußerungen und Handlungen keine leere Phrase ist, sondern der jedem die Möglichkeit gibt, nach seiner Vorstellung gehört zu werden.
