Vier Frauen treffen aufeinander – ungewollt, unbekannt, scheinbar unverschuldet. Eingeschlossen in einem Raum, dessen Leere sie erdrückt, ihnen keinen Platz lässt, prallen sie zwangsläufig aufeinander. Fremd und doch unausweichlich nah. In diesem Raum zeichnen sich die Schicksale ab. Die Frauen ziehen sich an, stoßen sich ab und kommen doch nie zusammen. Sie alle verbindet etwas und trennt sie gleichzeitig, doch langsam erst bahnt es sich den Weg: Sie alle sind Verbrecherinnen, sie sind Ausgestoßene, Ausgesperrte, die mit ewiger Einsamkeit gestraft wurden. Ein Urteil, das unumstößlich ist.
Jedes Aufbegehren, jeder Versuch, die aufbrechenden Wunden zu schließen, den Stachel, der von neuem zu eitern beginnt, herauszuziehen, scheitert. Sie bleiben einsam; müssen es. Für diese Frauen gibt es keine Heilung durch Nähe, Geborgenheit, Schutz in einer Gemeinschaft. Über ihr Schicksal wurde entschieden – Gemeinsame Einsamkeit.
In der zweiten Berliner Regiearbeit des Regiestudenten Eric Nikodym setzen sich Schauspieler und Regisseur mit dem Thema Verbrecherinnen auseinander. Die vier Schauspielerinnen springen von Rolle zu Rolle und entwickeln dabei eine ganz eigene Figur, die sich aus den verschiedenen Charakteren speist und doch eine eigene Geschichte durchlebt. Dabei wird vieles verdichtet, manches ausblendet und immer wieder reflektiert – über das Schicksal der Figuren, eigene Vorstellungen und gesellschaftliche Positionen.
Anhand von Dialogen quer durch die Literaturgeschichte – von Sophokles und Aischylos, über Lessing und Kleist bis hin zu O´Neill und Horvath – soll in der Inszenierung weniger der Frage nach der Schwere des Verbrechens und deren Bestrafung nachgegangen, als vielmehr der Blick geschärft werden für das Schicksal von Verbrecherinnen. Warum wird man eine Verbrecherin? Was macht einen zu einer Verbrecherin? Wie sieht man sich selbst? Wie wird man gesehen? Wie lebt man mit einem solchen Schicksal?
